Nackdurchsuchungen: Friedensmütter in Gewahrsam misshandelt

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Die vergangene Woche nach Kundgebungen für die hungerstreikenden Gefangenen festgenommenen Mütter wurden erniedrigenden und gewalttätigen Nacktdurchsuchungen unterzogen. Das berichtet die Journalistin Zeynep Kuray, die ebenfalls festgenommen worden war.

Die Ende letzter Woche nach einer Mahnwache vor dem Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy festgenommenen Mütter von hungerstreikenden politischen Gefangenen wurden im Polizeigewahrsam erniedrigenden und gewalttätigen Nacktdurchsuchungen unterzogen. Das berichtet die Journalistin Zeynep Kuray, die ebenfalls festgenommen worden war.

Seit drei Wochen bereits führen Gefangegenangehörige trotz Polizeiblockaden ein Sit-In vor dem Hochsicherheitsgefängnisin Bakirköy durch, um auf den Hungerstreik ihrer Töchter gegen die Isolation des kurdischen Vordenkers Abdullah Öcalan aufmerksam zu machen. Doch täglich kommt es zu Übergriffen auf die überwiegend älteren Aktivistinnen und Angehörigen der Gefangenen. Auch am vergangenen Freitag ging die Polizei gewaltsam gegen die Mahnwache vor. Von den insgesamt 41 festgenommenen Personen wurden 40 gegen Meldeauflagen freigelassen. Gegen Hacı Oğiş aus dem Vorstand der HDP in Bakirköy ordnete das Gericht wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft an.

Die Journalistin Zeynep Kuray verbrachte wie viele weitere Betroffene den Muttertag in überfüllten stickigen Zellen in der Antiterrorzentrale der Polizeiwache Vatan. Kuray erklärt, die Mütter hätten sich durch das Singen von Liedern von den unzumutbaren Bedingungen in den Zellen abgelenkt, um sich bei guter Laune zu halten. „Als mich die Mütter sahen, umarmten sie mich und begannen sofort zu erzählen, was ihnen widerfahren ist“, sagt Kuray.

„Vor laufender Kamera Kleidung vom Leib gerissen“

Die Mütter seien zwar niedergeschlagen, aber gleichzeitig auch wütend über die Repression, der sie ausgesetzt wurden, erklärt die Journalistin. „Eine der Mütter, die mit dieser menschenunwürdigen Praxis konfrontiert war, ist Kumru Akgül. Sie berichtete, dass Polizistinnen versuchten, ihr die Kleidung vor laufender Kamera gewaltsam vom Leib zu reißen. Als sie sich dagegen wehrte, fielen sechs Beamtinnen über sie her. Eine von ihnen zwang sie, sich auszuziehen, während eine andere das Schauspiel auf ihrem Handy aufzeichnete. Kumru Akgül fing an zu schreien und rief ‚Lieber würde ich mich umbringen, als eine Nacktdurchsuchung zu akzeptieren‘.“

Eine weitere Betroffene ist Fadime Keskin. Sie habe ebenfalls berichtet, von mehreren Polizistinnen einer erniedrigenden und gewalttätigen Nacktdurchsuchung unterzogen worden zu sein.

„Niemand soll erwarten, dass wir schweigen“

Raziyete Yıldırım ist Mutter von der PKK-Gefangenen Fatma Yıldırım, die sich seit dem 16. Dezember 2018 im Hochsicherheitsgefängnis von Bayburt, einer Garnisonsstadt im Nordosten der Türkei, im Hungerstreik gegen die Isolation Abdullah Öcalans befindet. Sie war vor dem Frauengefängnis in Bakirköy von Polizisten über den Boden geschleift worden, bevor es zur Festnahme kam. Im Einsatzwagen sei sie beleidigt und erniedrigt worden. „Einer der Polizisten fragte Raziyete Yıldırım, ob sie die türkische Nationalhymne kenne. Als sie verneinte, wurde sie beschimpft und ‚Terroristin‘ genannt. Daraufhin erwiderte Mutter Raziyete: ‚Niemand soll erwarten, dass wir schweigen, während unsere Kinder im Sterben liegen. Unterdrückung und Folter wird uns nicht davon abhalten, unsere Stimme zu erheben‘.

Nationalistische Musik gegen kurdische Lieder

Um die Moral der Mütter im Gewahrsam zu untergraben, seien zudem pausenlos türkische nationalistische Lieder über die Lautsprecher abgespielt worden. Der Repression zum Trotz hätten die Frauen es sich auch nicht nehmen lassen, zu fasten und ihre Gebete zu verrichten. „Als wir entlassen wurden, haben die Mütter angekündigt, ihren Widerstand mit großer Entschlossenheit fortzusetzen“, sagt Zeynep Kuray.

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