„Füllt die Straßen mit unseren Stimmen“

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Baran Atay befindet sich seit dem 1. März im Gefängnis von Osmaniye im Hungerstreik für die Aufhebung der Isolation des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan. Er ruft auf: „Bleibt nicht zu Hause sitzen, füllt die Straßen mit unseren Stimmen.“

Der Massenhungerstreik für die Aufhebung der Isolation Abdullah Öcalans wurde von der HDP-Abgeordneten Leyla Güven vor 198 Tagen am 7. November 2018 initiiert. Am 1. März 2019 schlossen sich dem Streik Tausende Gefangene an. Der Hungerstreik konnte bisher Teilerfolge erringen, wie einzelne Besuche der Anwält*innen und von Familienangehörigen bei Öcalan. Die Protestierenden erwarten jedoch eine Garantie bezüglich der Aufhebung der Isolation. So lange werden sie ihre Protestaktion fortsetzen.

Einer der Widerstandsaktivisten ist Baran Atay. Er befindet sich wie mehrere Tausend andere auch seit dem 1. März im Hungerstreik und sitzt im Gefängnis von Osmaniye ein.

Atay wurde als fünftes Kind von 14 Geschwistern geboren. Er wuchs in Adana auf, da seine Familie Mêrdîn 1985 aus ökonomischen Gründen verlassen musste. Nach zwei Jahren Grundschule begann Baran Atay als Schuhputzer, Simit-Verkäufer, Gartenarbeiter, Süßigkeiten- und Wasserverkäufer zu arbeiten und konnte die Schule nicht mehr besuchen. Da er beim Arbeiten in sehr jungen Jahren extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt war, ist er zu 40 Prozent behindert.

Mit 14 Jahren nahm er an der Jugendarbeit der kurdischen Freiheitsbewegung teil und wurde bei einer Aktion verhaftet. Nach einem Jahr im Jugendgefängnis von Pozantı wurde er aufgrund seiner Behinderung freigelassen. Im Alter von 16 Jahren begann er in einer Werkstatt zu arbeiten und engagierte sich weiter in der Jugendbewegung. Bei einer Aktion wurde er fotografiert und erneut verhaftet. Er saß acht Jahre in verschiedenen Gefängnissen von Kilis bis Elbistan und zuletzt nun in Osmaniye. Vor fünf Jahren brach Atay aus dem Gefängnis von Osmaniye aus, wurde aber auf eine Denunziation hin wieder inhaftiert. Er befindet sich nun seit dem 1. März im Hungerstreik.

Atay konnte mit seiner Mutter Hediye Atay am Telefon sprechen. Sie sagt zu dem Gespräch mit ihrem Sohn: „Unsere Zuckerwerte fallen, unser Blutdruck ebenso. So hat er es uns erzählt. Wir wollen, dass niemand stirbt. Wir wollen weder, dass unsere Kinder noch Soldaten und Polizisten sterben. Wir wollen nicht den Tod, sondern das Leben. Mein Sohn und seine Freunde lassen ihre Körper hungern. Wofür? Weil sie etwas rechtlich Vorgeschriebenes fordern, weil sie Frieden wollen. Wir können weder schlafen, essen oder einfach nur in Ruhe dasitzen. Wenn sie hungern, hungern wir auch. Wenn sie krank sind, werden auch wir krank, wenn sie keine Ruhe finden, finden wir auch keine Ruhe.“

Sie berichtet von den Worten ihres Sohnes: „Bleibt nicht zuhause sitzen, erfüllt die Straßen mit unseren Stimmen. Wir werden vor der Aufhebung der Isolation, bevor Frieden einkehrt, unseren Hungerstreik nicht einstellen. Wir sorgen uns nicht um Brot, sondern um Frieden. Wir wollen nicht, dass irgendjemand stirbt, im Gegenteil, wir verteidigen das Leben und führen deshalb diese Aktion durch.“

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